Dietmar Schlau Heilpraktiker für Psychotherapie • Villingen
Psychotherapie in guter Atmosphäre
Bild: Josef Türk Jun.
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Therapiemethode: Verhaltenstherapie

Konditionierung
Ein Elefant, der lange genug angekettet war, läuft nicht weg, auch wenn die Kette längst ab ist.
„Das gilt auch für Menschen.“

Dietmar Schlau



Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie geht zurück auf die berühmten "Pawlowschen Hunde". Iwan Pawlow untersuchte den Speichelfluss von Hunden, wenn er ihnen Futter vorsetzte. Nach einiger Zeit setzte der Speichelfluss der Tiere aber schon ein, bevor sie das Futter serviert bekamen. Pawlow erkannte, dass bereits die Geräusche der Schritte des Pflegers - die das Futter an­kündigten - ausreichten, um den Speichelfluss zu aktivieren. Pawlow schloss daraus, dass selbst Vorgänge gelernt werden können, die nicht dem Willen unterliegen.

Anfangs ging man davon aus, dass Gedanken, Motive und Gewissensinhalte bei den Lern­prozessen kaum eine Rolle spielen (= reine Verhaltenstherapie), heute ist man der Meinung, dass diese kognitiven Elemente sehr wohl einen Einfluss haben (= kog­nitive Ver­haltens­therapie). Überhaupt scheinen die Verhaltenstherapeuten diejenigen unter den Therapeuten zu sein, die am wenigsten mit Eifersucht ihre Lehre verteidigen - heute werden über 50 ver­schie­dene Methoden und Einzelverfahren im Rahmen der Verhaltenstherapie angewendet. Und das obwohl gerade die Verhaltenstherapie großen Wert auf wissenschaftliche Kriterien bei den therapeutischen Interventionen legt.


Grundannahmen und Denkweise

  • Verhalten, Gefühle und Körperreaktionen sind erlernbar.
  • Psychische Störungen sind auf ungünstiges gelerntes Verhalten zurückzuführen.
  • Neue Lernprozesse können ungünstiges Verhalten verändern. (Man kann verlernen und um­lernen.)
  • Verhalten und Fühlen sind determiniert (begründet), ausgelöst und wahrscheinlich ge­macht. Die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion hängt von den Konsequenzen ab.
  • Ungünstige Gedankenmuster können Verhaltensstörungen erzeugen, verstärken und er­halt­en (kognitive Verhaltenstherapie).
  • Eine psychotherapeutische Maßnahme muss die Kriterien eines wissenschaftlichen Ex­peri­mentes erfüllen. (Unabhängig vom Therapeuten, muss bei gleicher Störung, der glei­che Ef­fekt erzielt werden. Die Effekte müssen reproduzierbar sein.)

Konditionierung

Konditionierung ist der Lernvorgang, aufgrund dessen natürlich vorkommende Kör­per­reaktionen (z.B. Speichelfluss), durch künstliche Reize (z.B. Schritte) ausgelöst werden. Paw­low ersetzte den Klang der Schritte durch ein Glockenklingeln. Er konnte zeigen, dass die Spei­chel­se­kretion allein durch den Klang der Glocke ausgelöst werden konnte. Dieser Vor­gang bezeichnet das klassische Konditionieren.

Daneben gibt es das operante Konditionieren. "Zuckerbrot und Peitsche" sagt der Volks­mund zu diesem Verfahren und meint: Verhalten wird häufiger ausgeführt, wenn es eine Be­loh­nung dafür gibt – Verhalten wird weniger ausgeführt, wenn es eine Bestrafung dafür gibt. Im Kontext der Verhaltenstherapie gibt es 4 Möglichkeiten Belohnung und Bestrafung ein­zu­setzen:


  • 1) Man gibt einen positiven Reiz (positive Verstärkung): Verhalten nimmt zu.
  • 2) Man entfernt einen negativen Reiz (negative Verstärkung): Verhalten nimmt zu.
  • 3) Man gibt einen negativen Reiz (Bestrafung): Verhalten nimmt ab.
  • 4) Man entfernt einen positiven Reiz (Löschung): Verhalten nimmt ab.

Wichtig: Konditionierung funktioniert nicht nur bei reflektierbarem Verhalten (z.B. Buß­geld für zu schnelles Fahren = negativer Reiz, Bestrafung Verhalten nimmt ab (na ja, manch­mal)) – es funktioniert auch bei Reaktionen, die nicht dem Willen unterliegen wie z.B. Herzklopfen, Erröten, Händezittern, Verdauung, Muskel(ver)spannung, Im­mun­sys­tem, Schmerz.


Beispiel: Alkohol und operantes Konditionieren:

Ein Patient trinkt nach seinen stressigen Arbeitstagen öfters ein Glas Rotwein zum Abschalten. Die Wirkung ist ein positives Gefühl – Entspannung. Ver­halt­ens­psy­cho­lo­gisch ist das eine positive Verstärkung, das Verhalten nimmt zu  Er­leicht­er­ungs­trin­ken.

Der Patient merkt, dass er mit mehr Alkohol besser einschlafen kann, denn seine Grü­bel­neig­ung wird gedämpft (= Entfernen eines negativen Reizes, negative Ver­stärk­ung). Da­durch wird sein Trinkverhalten weiter zunehmen.

Der Patient bekommt durch den Alkoholkonsum ein Magengeschwür (negativer Reiz, Be­straf­ung), sein Alkoholkonsum nimmt ab (wenn er noch nicht Suchtkrank ist).

Die Entspannung durch den Rotwein wird durch die abendlichen Streitereien mit seiner Frau wegen seines Alkoholkonsums zunichte gemacht. Ver­halt­ens­psy­cho­logi­sch ist das die Entfernung eines positiven Reizes (Löschung), was im Idealfall ein Ab­nehmen des Trinkverhaltens bewirkt.


Therapieansatz

Ungünstige Reaktionen können verlernt -, und durch günstige Reaktionen ersetzt werden.


Interventionsmethoden

Wie gesagt, davon gibt es viele. Die Verhaltenstherapie strebt danach, für jede psychische Stör­ung ein spezifisches therapeutisches Vorgehen zu entwickeln. Hier einige gängige In­ter­ventions­methoden:


Systematische Desensibilisierung

Wird hauptsächlich bei konkreten Ängsten eingesetzt. Patient und Therapeut entwickeln zu­sammen eine Angsthierarchie. Das ist eine Liste – unten steht der Reiz, der am we­nigs­ten Angst auslöst, oben steht die Situation, die am meisten Angst erzeugt.

Nun lernt der Klient ein Entspannungsverfahren. Danach setzt sich der Patient der nied­rigs­ten Stufe der Angst aus, und begegnet ihr mit seiner Entspannungs­methode. Sobald die Angst durch die Entspannung verschwindet, wendet er sein Ent­span­nungs­ver­fahren beim nächsthöheren Angstreiz an. Dies führt er fort, bis er sogar die höchste Angst­stufe mittels Entspannung in den Griff bekommt.

Der Patient wird dadurch weniger sensibel für die Angstreize. Sinnvollerweise wählt man als Ent­span­nungs­verfahren eines, das in der Öffentlichkeit und im Stehen an­ge­wen­det werden kann, z.B. Progressive Muskelentspannung nach Jackobson. (Will man sich in einer Menschenmasse entspannen, tut man sich mit Autogenem Training im Liegen schwer.)


Reizkonfrontation

Bei situationsbezogenen Ängsten (z.B. Höhenangst). Der Patient wird (nach genauer Auf­klär­ung) der angstmachenden Situation ausgesetzt. Auch wenn massive Angst­zu­stände auftreten, muss der Patient die Situation aushalten und darf nicht fliehen, oder eine andere Vermeidungsstrategie anwenden. Und obwohl die Patienten das Gefühl haben können, ohnmächtig zu werden, oder gar zu sterben, machen sie am Ende die Erfahrung, dass die Angst wieder abklingt. (Der Körper verfügt nur über einen bestimmten Vorrat an Stresshormonen, ist der aufgebraucht, lässt die Angst nach).

Die Reizkonfrontation kann massiv oder abgestuft (graduiert) erfolgen. Das besonders massive Verfahren heißt Flooding (engl. Überfluten). Der Patient wird der höchsten Angst ausgesetzt und muss sie aushalten. Die Annahme dahinter ist: "Merkt der Patient, dass er es überlebt, dann verlernt sein Körper Angst zu produzieren."

Je nach Menschenbild ist dieses Verfahren entweder "produzierte Hölle" oder "geniale Therapie". Neuen Untersuchungen zufolge, sollen massive Reizüberflutungen beste Er­geb­nisse zeigen. (Aber da zwei Stunden Flooding billiger sind als zehn Stunden De­sen­si­bilisierung, darf der mündige Patient bei solchen Statistiken kritisch sein.)


Kognitive Therapie (kognitiv: Das Wahrnehmen, Denken, Erkennen betreffend.)

Entwickelt von Aaron T. Beck, angewendet meist bei Depressionen, aber heute auch bei so­ma­to­for­men Störungen, Süchten und Persönlichkeitsstörungen.

Gerade depressive Patienten haben oft eine negative Sicht auf sich selbst, die Umwelt und die eigene Zukunft. Der Patient lernt diese krankmachenden, meist automatisch ab­lauf­ende Gedanken zu erkennen. Im zweiten Schritt werden diese Gedanken da­rauf­hin überprüft, ob sie nützlich und realistisch sind. Anschließend werden die negativen Ge­dan­ken­muster durch günstige und realistische ersetzt.


Menschenbild

Der Mensch ist unbegrenzt formbar. Er ist ein passives, von außen steuerbares Wesen. Er kann "dressiert" werden.


Indikationen

Wie erwähnt, sammeln sich eine Fülle von Therapiemethoden unter dem Oberbegriff Ver­haltenstherapie. Deshalb ist die Verhaltenstherapie für viele seelische Störungen sinnvoll – besonders bei Ängsten, Zwängen, somatoformen Störungen, aber auch Depressionen, Essstörungen, Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen.

Die Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten ist umfassend und langwierig. Achten Sie da­rauf, dass auch "Verhaltenstherapeut drin ist", wenn Verhaltenstherapeut auf dem Türschild steht.


Kostenübernahme

Verhaltenstherapie wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.


© 2013 Dietmar Schlau




Auch wenn ich bei Bedarf verhaltenstherapeutische Interventionen ein­setze, biete ich selbst Verhaltenstherapie nicht an. Gerne be­ant­worte ich aber Ihre Fragen zu dieser Therapieform, oder zu an­deren Themen.
Dietmar Schlau  •  Heilpraktiker für Psychotherapie Villingen •  Telefon 07657 933314
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